J. Monika Walther
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Was mache ich heute?

April 2013

Che farò senza Euridice, che farò senza il mio ben', dove andrò...

Euridice und Orpheus haben frischen Fisch gekauft, Zucchini, Zitronen, Oliven, gekocht, gebraten, gegessen. Echtes Kochen der Deluxeklasse, also wirkliches echtes Kochen außerhalb der Küchenschlachten, Kochsendungen und dem Perfekten Dinner bedeutet heutzutage das Öffnen einer Packung Spaghetti und das Öffnen eines Glases mit Pesto. Nach dem Kochen der Spaghetti gleiten die beiden Bestandteile in einer Schüssel appetitlich verschlungen ineinander, die zarte Hand einer Frau schmückt das Gericht mit einem glänzendem Blatt Basilikum. Alle strahlen. Es wurde gekocht.

Als Kochen der Extraklasse gilt auch der Einkauf einer Pizza und einer Packung Mozzarella, beide Packungen öffnen, Mozzarella in Scheiben schneiden, auf die Pizza legen, das Ganze in den Backofen, vor dem Servieren ein Basilikumblatt oder auch zwei dekorieren und – alle sind begeistert. Es wurde gekocht. Ob Orpheus am Tisch gesessen hat und das von Euridice aufgetischte Essen ähnlich bewertete wie heute die eingeladenen Sterneköche in den Kochsendungen, weiß ich nicht. Klar ist, selbst wenn wirklich gekocht werden sollte, darf der Fisch keine Gräten und kein Rückrat haben, das Fleisch keine Knochen, keine Sehnen. Es wird so viel von allem abgeschnitten, dass davon eine ganze Familie satt werden könnte. Nur die Filets sind es wert weiter verarbeitet, sprich unter viel Aufwand gesalzen und angebraten zu werden. Und dann das Probieren der Sternebewerter: Oh ja, das Fleisch ist rosig. Oh nein, die Hühnerbrust ist eine Spur zu glasig, hingegen muss der Fisch und die Garnele noch unbedingt in der ausgedachten Mitte glasig sein. Mit Kochen hat auch das alles wenig zu tun. Wichtig sind Filets aller Tierarten, hochwertige Herde und ansonsten wird über Garzeitpunkte geredet: Wenn das Fleisch nachgibt, dann ist es innen noch sehr rare; den Fisch auf der Hautseite zuerst anbraten. Alles wird zum Nachgaren bei 60 bis 80 Grad in den Herd gelegt. Also Technik und Technologie sind die Stichwörter. Und da beginne ich nun Euridice und Orpheus fast zu beneiden. Vermutlich ging Euridice ohne ein Einkaufapp auf ihrem Handy oder Tablet, sprich ohne all das auf dem Markt einkaufen und Orpheus schlenderte singend ohne Navi und Pulszähler durch die Gassen. Und heute? Hat irgendwer noch Übersicht über all diese verschiedenen Smartsphones, Androiden, Kindles, Galaxys und Berrys? Und was zeigt die Werbung? Dass ich all das brauche und nicht länger mit meinem Windows XP, ein Programm, das auf mehreren Geräten sehr stabil läuft, arbeiten darf und kann, denn irgendwann (2014) hört der Support auf und irgendwann funktioniert das alles nicht mehr mit anderen Programmen, die ständig mit ihren Updates kommen. Vielleicht will ich nicht mit meinen Fingern wischen und spreizen, vielleicht will ich in Ruhe arbeiten und so wie ich will und nicht dauernd Fragen beantworten bzw. mich nach den Programmen richten. Oder muss ich dann wieder meine Schreibmaschine herausholen? Aber nicht nur das, wer hat die Zeit für all die Geräte und Netzwerke, all das Einrichten und Herunterladen? Und so sehr ich im Auto meinen Navi schätze, muss ich wirklich zusätzlich für alles und jedes noch ein App haben, um die Kneipe vor der ich stehe auch zu erkennen? Solche widerspenstigen Gedanken kommen mir immer öfter. Ich soll Geld, immer mehr Geld ausgeben. Ich habe einen PC, zwei sehr gute Notebooks, ein Netbook, einen Blackberry, ein zentrales Speichergerät für das ganze Haus, aber was da alles fehlt und wie viel Elektroschrott ich schon gehortet habe und wie schnell das Neue sehr alt ist und wie jedes Tablet irgendetwas nicht kann, was ein anderes aber längst gelöst hat. Und wie jeder der Konzerne einen abhängig machen will, siehe Kindle oder Google oder... Wie sie einander im Gebrauch ausschließen, wetteifern, aber nicht zum Nutzen der Verbraucher. Lachen muss ich, wenn ich an früher denke, da gab es einen Telefonanschluß und die Kosten fürs Telefonieren sollten möglichst im Monat bei 30 Mark bleiben. 30 Mark fürs Telefonieren. Inzwischen ist ja alles viel billiger geworden und überall Flatratten: Ja ja, die Kosten für das Mobiltelefon, der WLan-Anschluss im Haus, dazu ab und an Internetstick, leicht kommen da hundert Euro zusammen.

2013 – die Zeit kommt langsam in Fahrt, aber ich versuche jeden Tag als den Tag zu nehmen und nicht mich zu verplanen. Gar nicht so einfach. Eine gewisse Frau F. (2012 war sie Koogschreiberin im Dithmarscher Land) hat über Zeit und Vieles sich Gedanken gemacht, das Neueste zu lesen unter: Die Koogschreiberin

Was wünsche ich mir? Die Farbe des Windes zu sehen, die Tage voller Augenblicke. Immer wieder Wörter zu finden.

Was tue ich? An einem Hörbuch (Westfälische Heimat – Jüdische Nachbarn arbeiten), an einem Westfälischen Kriminalroman, an einem Gedichtband und kleinen Prosastücken arbeiten. Und: Glücklich sein heißt, ohne Schrecken seiner selbst inne werden (Walter Benjamin).

Jay