J. Monika Walther
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Was mache ich heute?

März 2002

"Heute geht es um den Eintritt des Einhorns in die Weltgeschichte und die Frage ist, geht es dabei um die Jagd nach den Sinnen oder um die Sehnsucht nach der Sehnsucht, womit wir wieder bei Herrn Orfeus sind (der sich einfach nicht von der Stelle bewegen will, zu sehr schätzt er seine Arien), oder um - Meiner einzigen Sehnsucht. Kurzum, was tut die Dame mit dem Einhorn und entnimmt sie Schmuckkästchen alles oder legt sie all ihren Schmuck in das Kästchen?

Es gibt eine Kulturgeschichte des Einhorns. Auf einer Grabplatte in UR, Stadt im Land Sumer, existiert ein Relief, auf dem Stiere wie Einhörner dargestellt sind. Diese babylonisch-assyrischen Zeugnisse sind die ältesten, später erzählen indische Schreiber von der Kraft des Einhorns. In China gehörte das Chi-lin (Einhorn) neben Drachen, Phönix und Schildkröte zu den vier heiligen Tieren.

In der Minnekunst des Mittelalters ist "das Roß mit dem mächtigen Horn auf der Stirn" das stärkste, "unaufhaltsamste" aller Tiere. Nur wenn es eine Jungfrau sieht, wird es zahm und legt sich vor ihr nieder. Im christlichen Mythos verliert das Einhorn im Schoß der Jungfrau dann seine Kraft. Dem Horn - im Mittelalter verehrte man den spiralig gewundenen Zahn des Narwals als Ein-Horn, - wurden heilsame Kräfte zugesprochen.

Das tapfere Schneiderlein besiegt das Einhorn, das stärker als zwei Riesen war, mit List.

Auf zahlreichen Wandteppichen des späten Mittelalters und der Renaissance wird das Einhorn prächtig, geheimnisvoll, voller Leben dargestellt. Eine der schönsten und märchenhaftesten Darstellungen sind die Teppiche der "Dame à la Licorne", entstanden um 1500. Seit über hundert Jahren sind die Wandteppiche im Pariser Musée de Cluny untergebracht. George Sands hatte drei der damals noch nicht restaurierten Teppiche in dem Örtchen Boussac gesehen und ihre Schönheit gerühmt, Rilke ließ sich Anfang dieses Jahrhunderts von ihnen inspirieren. Das Einhorn tritt offenbar in Wendezeiten der Geschichte auf. Ein Doppelwesen, das in die Weltgeschichte eintritt als eine Sehnsucht des Menschen.

Wie zeigt sich das Einhorn und wem zeigt sich das Einhorn? Nur den Damen?
Nur den Klugen? Nur denen, die an Einhörnern glauben?
Dazu Ein Pferd begegnete einem Einhorn. Das Pferd fragte: "Was unterscheidet dich von mir?
"Siehst du das nicht?" antwortete das Einhorn erstaunt.
"Nein!", sagte das Pferd und galoppierte stolz und in großen Sprüngen über die Wiese. Das Einhorn schüttelte ungläubig den Kopf und lief zurück in sein Gatter. Das Einhorn blieb lange für sich, ehe es sich wieder zeigte.

Und was mache ich heute noch? Nicht das, was ich sollte. Aber auf jeden Fall Klavier üben und zuschauen wie es regnet. Und weiter der Geschichte der beiden versprochenen Liebenden Lucia und Renzo, aufgeschrieben von Allessandro Manzoni, in all ihren Verwickelungen des 17. Jahrhunderts folgen.

Heute ist...., das verrate ich nicht und morgen mache ich etwas anderes. Aber welcher Schabbat Schalom ist heute? Ich weiss es.