J. Monika Walther
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Was mache ich heute?

September 2010

Che farò senza Euridice, che farò senza il mio ben', dove andrò...

Der Wert eines statistischen Lebens – der statistische Wert menschlichen Lebens oder wie werden Menschenleben berechnet? Und wozu werden diese Berechnungen genutzt? Was bin ich wert? Die Quersumme meiner Honorare oder die Anzahl meiner im Leben geschriebenen Wörter, der erwirtschaftete Mehrwert, wem war ich mehr wert als das gekaufte Brot, Eier, Schinken, Butter und Dach überm Kopf?

Die Anzahl der Euros für ein Menschenleben – Menschenwertberechnungen: Medizinhistoriker kamen in ihrer Forschung zu dem Schluss, dass aus diesen Berechnungen immer Unglück entstand: Nachdem in Deutschland im 19. Jahrhundert begriffen war, dass Menschen einen monetären Wert haben, war der zweite Gedanke, dass es sich lohnt diese Leben zu erhalten, gesund zu halten, also wurden Krankenhäuser und Klärwerke gebaut. Für Industriearbeiter und Soldaten. Aber es gab ja auch Menschen, die hatten keinen Wert oder sie kosteten, so entstand aus der Sozialhygiene die Rassenhygiene.

Heute berechnen Ökonomen das Humankapital einer Firma. Im Faschismus wurde die industrielle Verwertung eines KZ-Häftlings minus Verbrennungskosten berechnet. Stellt ein Staat Berechnungen zum Menschenwert an, sind sie verwerflich, denn der Staat hat seine Bürger als Rechtssubjekte zu schützen, gleich wem sie was und wie viel wert sind. Sobald gerechnet wird, Kosten und Nutzen, gibt es Gewinner und Verlierer. Es stellt sich die Frage nach Verantwortung und Solidarität. Und es stellt sich immer die Frage nach den Prämissen. Unter welchen Vorgaben wurde gerechnet? Die Ökonomie ist keine Wissenschaft wie die Mathematik. Das Leben eines Bewohners von Industriestaaten hat angeblich den 15-fachen Wert des Lebens eines Bangladeschis. Richtig gerechnet. Zynisch. Wie viel kostet ein gefallener Soldat? Bulgaren, Ukrainer, Südamerikaner kosten halb soviel wie der 6,5 Millionen teure Nordamerikaner. Der Sieg der Ökonomie ist zu verhindern. Mit Werten, die sich nicht berechnen lassen.

Was wünsche ich mir? Dass ich in Lettland nach der Reise durch Polen ankomme. Dass ich dort einen Monat bleibe, gleich, was ich fühle und denke.

Was tue ich heute: Das Schlafloslied von Manja Präkels üben, Klavier üben. Und vieles andere mehr. Je mehr Arbeit weggeschafft wird, um so mehr Arbeit entsteht. Merkwürdig. Die erste Bücherkiste für Lettland packen. Ventspils, Stipendium.

Und: Jede Woche tauschen Ulrike Bail und ich einen Text, jeden Freitag. Vorm Schabbes, so wachsen wir und die Wörter.

Jay